Samstag, 18. Januar 2014

Der Geist und seine Funktionen von Gesche Rapten



Buddhistische Erkenntnislehre

Die buddhistische Erkenntnislehre untersucht die Beziehung zwischen dem wahrgenommenen Objekt und dem wahrnehmenden Subjekt. Denn der Erleber und das Erlebnis sind immer voneinander abhängig. 






Objektbesitzer
Ein Objektbesitzer (Subjekt) ist ein funktionierendes Phänomen (Erscheinung). Es ist funktionierend, weil es durch das Zusammenwirken bestimmter Vorgänge eine Funktion erfüllt. Zudem hat es ein Objekt - bspw. einen Körper. Das Subjekt kann Objekte erkennen oder zum Ausdruck bringen.
Objektbesitzer und Objekt hängen voneinander ab, das eine kann nicht ohne das andere betrachtet werden. Das betrachtende
Subjekt und das betrachtete Objekt hängen wechselseitig miteinander zusammen. Es gibt kein Subjekt ohne Objekt, welches es definiert und auch kein Objekt ohne Subjekt, das es wahrnimmt.
Der Buddhismus unterscheidet zwischen materiellen und nicht-materiellen Objektbesitzern.
Ein materieller Objektbesitzer ist ein Laut bspw. ein Begriff oder Satz. Er ist Objektbesitzer, weil er ein bestimmtes Objekt bezeichnet.
Nicht-materielle Objektbesitzer sind der Geist und Personen. Sie sind Objektbesitzer, weil sie ein bestimmtes Objekt mit Hilfe ihrer geistigen Fähigkeiten begreifen.

Der Geist
Alle Geisteszustände, intellektuelle Geisteszustände wie Unterscheidung, Erinnerung und emotionale Geisteszustände wie Begierde und Hass sind nicht-materielle Objektbesitzer.
Der Geist ist klar und erkennend.
- Klar:  
  der Geist ist nicht-materiell, denn er ist form-, gestalt- und farblos.
- Erkennend:  
  der Geist hat die Fähigkeit, etwas zu erfassen, Formen zu sehen, Töne zu hören, wie auch
  nachzudenken und Schlussfolgerungen zu ziehen.
Der Geist ist nicht bloss eine Funktion des Gehirns und er kann auch nicht auf die Sinneseindrücke reduziert werden.

Person
Unter Personen versteht der Buddhismus alle Lebewesen wie Menschen, Tiere, Götter.
Eine Person ist ein nicht-materieller Objektbesitzer, weil sie Objekte wahrnehmen kann.
Wir sind von „Ich“, „Mein“ und deren Existenz überzeugt.
Eine Person resp. das Selbst ist das Ich, ein veränderliches, zusammengesetztes Phänomen (es gehört weder zur Materie noch zum Bewusstsein). Das Ich existiert durch die abhängige Beziehung zwischen dem benennenden Geist und den fünf Aggregaten (Skandhas oder Daseinsfaktoren), welche die Aspekte unserer Person ausmachen.
Die 5 Aggregate resp. Skandhas
- Form  (der Körper und seine 5 Sinnesfähigkeiten plus das Denkorgan mit Gedanken und
  Vorstellungen)
- Empfindungen resp. Gefühle (angenehme / unangenehme / neutrale, die aufgrund der
  Sinnesfähigkeiten entstehen)
- Unterscheidung resp. Wahrnehmung
- 51 Geistesfaktoren (zusammensetzende Faktoren)
   Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten.
   Der Mensch reagiert und interpretiert die Wahrnehmungen. Hier entstehen Vorstellungen,
   Begierden und Sehnsüchte, die das Handeln resp. Unser Karma beeinflussen.
   Karma
bedeutet auf Sanskrit Handlung.

   Alles im Leben besteht aus Handlungen, folglich ist alles Karma. Alles, was wir erleben ist die
   Ursache von Taten und hat ihrerseits eine Auswirkung. Wir handeln die ganze Zeit, denn wir
   können nicht leben, ohne etwas zu tun. Handlungen geschehen nicht nur durch Taten mit
   unserem Körper, sondern auch durch das Sprechen und die Gedanken.
- Haupt-Bewusstsein
  
Ein „Selbst“ entsteht nicht, in dem es die Aussenwelt erfasst wird, sondern dadurch, dass es
   die Aussenwelt in sich entstehen lässt („projiziert“).
   Bewusstsein ist eine Reaktion auf die sechs Sinnesfähigkeiten.

Im Dharma gibt es drei Bereiche für die fühlenden Wesen:
- Bereich der Begierde
  Menschen, Tiere, Pretas (Hungergeister, die hungrigen Geister der Verstorbenen),
  Höllenwesen und gewisse Devas (Götter)
- Bereich der Form
  hier verweilen die Devas in konzentrativer Meditation (die ersten vier Stufen der Versenkung)
- Bereich der Formlosigkeit
  befinden sich die Devas in der tieferen Versenkung
Die Wesen im Bereich der Begierde der Form haben einen physischen Körper, die Wesen im Bereich der Begierde der Formlosigkeit jedoch nicht. Sie besitzen Gefühle, Wahrnehmung, die Geistesfaktoren und das Bewusstsein.

Bedeutungstragender Laut
Zu den bedeutungstragenden Lauten - also ein Laut, der eine Bedeutung hat - gehören:
- Begriffe
- Sätze
- Buchstaben
Sie sind
materielle Objektbesitzer, weil sie die Funktion haben, ein Objekt zu benennen. Sie können Gegenstände durch das Aussprechen hörbar oder mittels Zeichen verständlich machen. Im Gegensatz zum Geist als Objektbesitzer, der mit Hilfe der Sinnesorgane und des Denkens ein Objekt erfasst, sind die bedeutungstragenden Laute nur insofern Objektbesitzer, als sie ein Objekt bezeichnen.
Nicht bedeutungstragend ist bspw. das Geräusch des Regens.

Begriffe
Einfache Einheiten der Rede.
Sie benennen ein Objekt an das wir denken und darüber sprechen.
Zwei Arten:
- Hauptbegriff
   der eigentliche Begriff, mit der das Objekt ursprünglich benannt wird
- Zusatzbegriff
  - aus Gründen der Ähnlichkeit
    eine Katze mit tigerähnlichem Fell wird „Tiger“ genannt
  - auf Grund einer natürlichen Beziehung
    der Anfang eines Holzstabes brennt, wird als „der Holzstab brennt“ ausgedrückt, da man
    den Anfang des Holzstabes bereits als ganzen Holzstab bezeichnet, da er gleicher Natur ist
   - auf Grund einer ursächlichen Beziehung
    
- der Begriff wird als Resultat verwendet
       der Sonnenschein am Boden wir als „Sonne“ bezeichnet, obwohl dies das Resultat der
       Sonne ist
     - der Begriff wird als Ursache verwendet
       bei einer „Schlussfolgerung-für-andere“. Dies ist eine Aussage kein Geisteszustand i.S.e.
       Denkprozesses, sondern sie führt in einem anderen zu einer Schlussfolgerung wie bspw.
       die Bezeichnung einer ausgeschalteten Lampe als Licht (obwohl die Lampe die Ursache
       für Licht ist)

Sätze
Eine Abfolge von Begriffen, die weitere Informationen zu einem Objekt geben bspw. „Klang ist vergänglich“.

Buchstaben
Ein gesprochener Laut zur Bildung von Begriffen und Sätzen.
Jeder Laut ist veränderlich und vergänglich. Die Weise, wie ein Buchstabe gehört wird, ist jedoch unveränderlich (ein „A“ wird als „A“ als gehört, egal wer „A“ sagt).
Buchstaben benennen nicht eigentlich ein Objekt, da sie aber die Bausteine für Begriffe und Sätze sind, sind sie ebenfalls Objektbesitzer, da sie helfen etwas zu benennen.

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